2019

ATM 2019 – Wo ist die Hecke?

Dieses Jahr war uns von Anfang an klar, der Wettergott meint es nicht gut mit uns. Laut Prognosen bestanden Chancen auf kleinere Wolkenlücken. Aber im bayerischen Wald sollte man sich darauf besser nicht verlassen. Darüber hinaus meldete der Wetterbericht Wolken, Regen und kalte Temperaturen. Wir hatten für dieses Jahr endlich neue Hinweisschilder gefertigt, um die alten, hölzernen Schilder zu ersetzen, an denen der Zahn der Zeit schon massiv genagt hatte. Den neuen Schildern aus Aluminium ist das Wetter jedenfalls egal.

Aufgrund der feuchten Wetteraussichten beschlossen Winni und ich dieses Jahr, „Tschuri“ gleich zu Hause zu lassen. Die zweite Silberschicht des Spiegels ist auch nicht mehr die Beste und dieses Wetter würde ihr garantiert den Rest geben. Wir würden auch ein Jahr ohne unseren 32-Zöller auskommen. Genügend Teleskope sind ja vor Ort. Aber uns ist schon jetzt klar, bis zum nächsten Almbergtreffen muss die finale Spiegelschicht drauf….

Als wir am Gasthof „Zur Alpe“ ankommen, fällt uns zuerst auf, dass entlang der Straße neue Straßenlaternen aufgestellt wurden. Ob das Fluch oder Segen ist, würden wir erst in der Nacht herausfinden können. Als wir zum Gipfel weiterfahren, bemerke ich zuerst nur, das hier irgendetwas anders ist. Dann plötzlich dämmert es mir – wo ist die Hecke? Die Hecke, die letztes Jahr erstmals hoch genug war, um die Laterne am Hintereingang der Almberghütte zu verdecken, war weg. Die Laterne leider nicht…

In der ersten Nacht ist uns das aber erstmal egal. Das Wetter spielt sowieso nicht mit. Die Häuser unten am Berg sind in Nebel gehüllt, sodass wir nicht einmal einschätzen können, wie sich die neuen Straßenlaternen auswirken. Wir nutzen die Zeit daher zum Erfahrungsaustausch in geselliger Runde. Erst in der späten zweiten Nachthälfte öffnet sich die Wolkendecke, aber da sind schon fast alle Besucher im Bett.

Der Samstag beginnt etwas besser, tagsüber wechseln sich Sonne und Wolken ab. Die Nacht soll laut Wetterbericht aber klar werden. Einige Teilnehmer wechseln zur Sonnenbeobachtung in H-Alpha. Um 14:00 Uhr zeigt uns Wolf Peter Hartmann einen Vortrag von Herbert Haupt: „Namibia, nicht nur der Sterne wegen“. Wolf Peter hat ihn für den Almberg leicht überarbeitet. Im Anschluß daran bringt uns Stathis Kafalis das Spiegelschleifen näher.

Als wir hinterher den Gasthof wieder verlassen, sind die Wetteraussichten weiterhin trüb. Einige Teleskope sind wetterfest eingepackt, viele bleiben ganz im Auto. So entschließen wir uns, die Selbstbauprämierung dieses Jahr abzusagen. Über den Preis darf sich dann eben nächstes Jahr jemand freuen.

So sitzen wir in der Dämmerung zuerst gemütlich beisammen, bis sich erste größere Wolkenlücken zeigen. Dann beginnt am Berg rege Betriebsamkeit, Teleskope werden aufgebaut und erste Objekte eingestellt. Der Wind sorgt zwar dafür, dass kein Nebel aufkommen kann, aber die verbliebenen Wolkenfelder ziehen sehr schnell. Im einen Moment ist der Himmel komplett frei, einige Minuten später ist kein Stern mehr zu sehen. So geht das eine ganze Weile bis sich das Wetter stabilisiert. Der Wind flaut ab und wir haben endlich wieder den großartigen Nachthimmel des Almbergs über uns, mit dem wir schon fast nicht mehr gerechnet hatten.

Achja, da waren ja noch die neuen Straßenlaternen. Bislang war sowieso nur eine Lampe direkt vom Gipfel aus sichtbar, die anderen werden von Häusern verdeckt. Nachdem ich die Lampe mit bloßem Auge aber nicht finden konnte, suchte ich die Position der Lampe nochmals mit dem Fernglas ab und war positiv überrascht. Die neuen Straßenlaternen, die von der Gemeinde hier installiert wurden, sind für uns geradezu perfekt. Vom Gipfel ist davon nichts zu sehen.

So freuen wir uns jetzt schon auf nächstes Jahr, auf ein Treffen mit hoffentlich wieder stabilerem Astrowetter, auf ein Treffen ohne Kletterakrobatik und achja, auf ein Jubiläum – 20 Jahre ATM.

Bis zum nächsten Mal
Euer Orga-Team